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Französisch in Berlin 🇩🇪

Extrakt aus "Französisch im Berliner Jargon" von Ewald Harndt:

Dort wird u.a. aufgezeigt, dass viele Wörter im normalen (Berliner) Sprachgebrauch ursprünglich dem Französischen entlehnt sind. Das liegt wohl vor allem daran, dass im 17. und 18. Jahrhundert der Adel mehr französisch als deutsch gesprochen hat. Die deutschprachigen haben dann zum einfacheren Erlernen meist beide Wörte verbunden ausgesprochen. Ganz besonders spannend fand ich da das beliebte Zeitvertreibspiel "Keesekästchen". Das kommt laut dem Büchlein von la caisse = der Kasten. Oder auch gut: klammheimlich kommt von clam (lat.) = heimlich.

Andere tolle - und mir bisher unbekannte - Importe:

  • aus dem Polnischen, u.a.: GroĂźkotz, Kabache, Pennunze, Pomade, dalli
  • aus dem Jiddischen, u.a.: Kaschemme, mauscheln, meschugge, Mischpoche, Ramsch, Schmu, schnorren, schofel
  • aus dem Lateinischen, u.a.: Lokus, Moneten, Palaver, Pelle, Pulle, Tempo, famos, fatal, intus, kapieren, kolossal, simulieren
  • "totschick" kommt von "tout chic"
  • der Stadtteil "Moabit" kommt von französischen Aussiedlern, die dort vergebens Obst und GemĂĽse anbauen wollten: la terre de Moab bzw. la terre maudite - das verfluchte, sehr schlechte Land
  • viele Speisen wurden von den Franzosen importiert: boulette = FleischkĂĽgelchen, ragoĂ»t fin haben wir den Hugenotten zu verdanken und aus griebelettes, kleinen in Speck gebratenen FleischstĂĽckchen wurde Griebenschmalz.
    Des weiteren wurden französische Begriffe eingedeutscht: Püree, Karotten, Eclair, Filet, Frikassee, Kotelett, Omelett, Roulade
  • im weiteren Sprachgebrauch: Amusement, Canaille, Cousine, Couvert, Kommode, Malheur, Misère, Parterre, Pissoir, Portemonnaie, penibel, perdu, Rage, Salon, Skandal
  • besonders kompliziert einzudeutschen: Balkon, Bravour, Chance, Pedant, Milieu, Revanche, Sabotage, Vase
  • "passieren" von se passer = sich ereignen, stattfinden
  • das "Karree" kommt von carrĂ© = Geviert, Quadrat, viereckiger Häuserblock
  • Pleonasmus1, den man kennen könnte: Deez-Kopp (Deez = Berliner Schnauze fĂĽr tĂŞte)
  • weitere Umwandlungen: trottoir → Trittoar, fĂŞte → Fetz/Fete, adroit → adrett, propre → proper, vif (lebendig) → gewieft, clameur (Geschrei) + clameux (lärmend) → Klamauk, de la bredouille (Tricktrack, Matsch) → Bredulje (Verlegenheit, Klemme), pleurer (weinen) → plärren, jmd. eine chance geben → ihm etwas zuschanzen, la pique (Groll) → "Sie hat 'ne Pike uff mir", les bottines (Stiefel) → Botten
  • die Ratte beim Bowling kommt von ratĂ© (Versager, Blindgänger) bzw. rater (verfehlen)
  • "etepetete" kommt von ĂŞtre peut-ĂŞtre = im Zweifel sein
  • "KommiĂźbrot" kommt nicht aus dem lat. KommiĂź (Truppe, Heer) sondern, da - mangels Militärbäckereien - Brot fĂĽr die Soldaten in der Stadt von commissionaires aufgekauft wurde, von "Kommissionärsbrot"
  • qincailleries (metallene Haushaltswaren bzw. wertlose Kleinigkeiten, blecherner Schnickschnack) → Kinkerlitzchen
  • querelle (Querelen) → krakehlen
  • "Muckefuck" kommt vom mocca faux, falschem Kaffee, einem sehr dĂĽnnen Kaffeeaufguss (wegen hohem Kaffeezoll), der mittels Chicoree-Extrakten schwarz eingefärbt wurde
  • moi tout seul = ich ganz allein, wird mittels Pleonasmus zu "mutterseelenallein"
  • "Fisimatenten" könnte sich zweierlei ableiten:
    1. abgeleitet von der Ausrede für zu spät zurückkehrende Soldaten j'ai visité ma tante (=Ich hab meine Tante besucht.) im Sinne von "faule Geschichte, Umstände"
    2. von visitez ma tente, womit napoleonische Soldaten wohl gern willige Mädchen in ihr Zelt eingeladen haben (Mutter an Tochter: "Mach mir keene Fisimatenten!")
  • "Zislaweng", mit Schwung, kommt von ainsi cela vient = "so kommt das", im Sinne von: Geschicklichkeit ist keine Hexerei
  • der "groĂźe Onkel" (groĂźer Zeh am FuĂź) kommt vom ongle, dem Nagel an der Zehe, FuĂźklaue
  • "blĂĽmerant" kommt von bleu mourant, ein sterbendes, blasses Blau mit dem Friedrich II. sein Porzellanservice verzieren lieĂź. Im Sinne von "ĂĽbelerregend".
  • "Happen" (Essen) kommt vom happĂ©e = Bissen
  • "Sich einen uff die Lampe gieĂźen" kommt von lamper = ĂĽbermäßig, in kräftigen ZĂĽgen trinken bzw. la lampĂ©e = tĂĽchtiger Schluck
  • "Es ist alle." im Sinne von aufgebraucht, verbraucht geht zurĂĽck auf zwei hugenottische Schwestern, die an der JungfernbrĂĽcke selbstgemachte Stickereien anboten. War ein Muster ausverkauft, hieĂź es "c'est allĂ©" = es ist ausgegangen, aufgebraucht.
  • "mausetot" kommt wahrscheinlich von mort aussitĂ´t bzw. mort si tĂ´t (sofort, sehr schnell, sogleich tot)
  • "Scheese" (Fahrzeug, Auto) kommt vielleicht von la chaise = der Stuhl, im Sinne von fahrendem Stuhl (vgl. Sänfte = porte-chaise); eher aber vom Hugenotten Philippe de Chièze, der einen gefederten Kutschenwagen erfunden hatte. Die Berliner nannten das Gefährt nach dem Erfinder, wie z.B. auch der Kremser nach Simon Kremser benannt wurde
  • bei "bonfortionös" (groĂźartig, herrlich) ist die Herkunft von bonne fortune (gut GlĂĽck) ungewiĂź
  • in den napoleonischen Besatzungsjahren haben einige Immigranten ihre Nachnamen eingedeutscht: aus "Le Jeune" wurde Jung, Moineau → Sperling, Laforge → Schmidt (man denke an Star Trek: "Wie steht es um den Warp Antrieb, Herr Schmidt?" ), Malin → Boes/Bös, Blanc → WeiĂź
  • Beim Trinken anstoĂźen "auf General Knusemong" kommt von en gĂ©nĂ©ral que nous aimons = insbesondere auf das, was wir lieben/mögen

  1. Wikipedia: Pleonasmus ↩︎

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